Bildung

Langeweile und Unterforderung im Unterricht

Langeweile im Unterricht und Begabtenförderung à la DDR

In diesem Artikel möchte ich mit dir meine eigenen Erfahrungen mit Unterforderung und Langeweile in der Schule teilen. Schon früh musste ich Strategien finden, damit umzugehen und meinem Schulbesuch einen Sinn zu geben.

Später erhielt ich zunehmend Unterstützung von Lehrkräften, die mein Potenzial und meine Bedürfnisse sahen und mir erlaubten, mich innerhalb der Schulgemeinschaft zu engagieren. So wurde nebenbei auch verhindert, dass ich auf Grund meiner Andersartigkeit gemobbt wurde.

Meine Schulzeit war von 1974 bis 1986 in der DDR. Im Rückblick ist mir klar, warum meine Eltern nie zu Elternabenden gingen. Telefon und Internet gab es damals noch nicht. Die Beschwerden der Lehrer über mein dauerndes Schwatzen und meine Unlust im Unterricht kamen trotzdem an, denn der Mann meiner Klassenlehrerin war Arbeitskollege meines Vaters. Vieles erledigte man damals “auf dem kleinen Dienstweg”.

Wie alle Kinder kam ich erwartungsfroh in die Schule, freute mich darauf, Neues erleben, erfahren und entdecken zu dürfen, aber vom ersten Tag fühlte ich mich unverstanden. Wenn sich andere Kinder freuten, einen neuen Buchstaben kennenzulernen, konnte ich das gar nicht nachvollziehen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon keine Erinnerung mehr daran, wie ich lesen gelernt hatte. Ja, ich war sogar sehr verwundert, dass man das überhaupt lernen musste. Was war nur falsch an mir?

Zunächst meldete ich mich eifrig und wollte mein Wissen teilen, doch dauernd musste ich warten und wurde vertröstet, bis ich immer stiller wurde und auch nichts mehr fragte.

Irgendwann wurde ich Meisterin im Wegträumen. Während der Monologe der Lehrerin oder in der Stillarbeit dachte ich mir Geschichten aus. Trotzdem bekam ich mit, wann ich meine Antennen wieder auf den Unterricht richten musste. Das ist eine wertvolle Fähigkeit, und man kann es lernen. So konnte ich immer das Geforderte abliefern und bekam nicht zu viel negative Aufmerksamkeit.

In der Grundschule war das für mich die einzige Chance, vor Langeweile nicht verrückt zu werden, denn dort werden Kinder sehr engmaschig beobachtet und reglementiert.

Zum Glück gibt es heutzutage mehr Freiarbeit und Montessori-Methoden als früher und weniger Frontalunterricht. Die vielen Wiederholungen sind aber nach wie vor eine Tortur für clevere Kinder.

Ab Klasse 5 konnte ich im Unterricht unter der Bank lesen oder meine Geschichten und fixen Ideen in ein Heft schreiben. Meine Hausaufgaben machte ich immer gleich in der Schule. Auch meine Häkelsachen hatte ich oft dabei. Meistens wurde es toleriert, denn ich konnte ja auf Fragen antworten und bei Klassenarbeiten meine Leistung abliefern.

Zum Glück beschäftigten sich auch meine Mitschüler zunehmend anderweitig im Unterricht, Briefchen schreiben und kleine Streiche waren in unserer Klasse mehr die Regel als die Ausnahme, und ich nahm die gute Stimmung dankbar an. Nebenbei halfen wir uns gegenseitig bei den Aufgaben. Die Lehrer gingen damit recht entspannt um, solange der Unterricht ansonsten lief.

Etwa ab Klasse 6 durfte ich bei manchen Fachlehrern komplette Unterrichtsstunden allein gestalten, was mir große Freude gemacht hat und bei meinen Klassenkameraden sehr gut ankam. Ich durfte im Unterricht anderen Schülern gezielt helfen und wurde ab Klasse 8 sogar als Vertretungslehrerin und Leiterin mehrerer AGs eingesetzt. Die Vorbereitungen dafür durfte ich in der Unterrichtszeit machen.

Öfter wurde ich auch an Schultagen zu Wettbewerben geschickt oder erledigte Wege für meine Lehrer. Sie liehen mir auch regelmäßig ihre besten Bücher aus und teilten Material von Fortbildungen mit mir.

Bei Veranstaltungen durfte ich mit organisieren, moderieren und beim Karneval in die Bütt steigen.

Damals hatte noch nie jemand das Wort “Hochbegabung” gehört, aber besonders die sogenannten Neulehrer, Arbeiter, die nach 1945 im Osten Deutschlands im Schnellverfahren zu Lehrern gemacht wurden und sich ein Leben lang fortbildeten, wussten durch ihre Lebenserfahrung, was ich brauchte. Und davon profitierte unsere ganze Klasse. Ich war zwar dadurch Außenseiterin, wurde bewundert und belächelt zugleich, aber ich wurde akzeptiert und niemals gemobbt und fühlte mich zumindest in den oberen Klassen sehr wohl in der Schule.

Heute scheint es weniger Toleranz für von der Norm abweichende Lernbedürfnisse und alternative Beschäftigungen zu geben. Als Mutter von Svenka bekam ich immer wieder Beschwerden, wenn sie sich in ihrer Not eigene Aufgaben stellte.

Aber es gab auch positive Beispiele. Durch die Altersmischung in der Schuleingangsphase und das Engagement der Klassenlehrerin wurde in den ersten beiden Schuljahren viel unnötige Langeweile vermieden. Svenka durfte da schon Geschichten schreiben, Vorträge halten, und ihre Arbeiten von zu Hause wurden in der Klasse ausgestellt. So erfuhr sie die Wertschätzung, die jedes Kind braucht, und auf dieser Basis wuchs auch ihre Frustrationstoleranz bei Routineaufgaben und Wartezeiten. An Anpassung ist ja nichts falsch, solange sie nicht STÄNDIG verlangt wird.

Die Deutschlehrerin in Klasse 4 konnte Svenkas Quatschgeschichten, die sie aus den “Lernwörtern” schrieb, wertschätzen, und sie halfen schließlich auch den Mitschülern. Worüber man gelacht hat, das behält man bekanntlich am besten im Gedächtnis.

Der Englischlehrer in der 5. Klasse duldete es, dass sie lieber Harry Potter auf Englisch las und mit ihm über seine Katze parlierte, als Anfänger-“Vokabeln” von der Tafel abzuschreiben. Warum auch nicht?

Ich wünsche mir, dass immer mehr Lehrkräfte erkennen, dass ALLE Schüler Aufgaben brauchen, die knapp über ihrem Fähigkeitsniveau liegen, um lernen und sich gesund entwickeln zu können.

Fangen wir doch einmal bei uns selbst an: Auch wir Erwachsenen müssen MANCHMAL eine langweilige Veranstaltung über uns ergehen lassen. Wie verhalten wir uns da? Wie schnell zücken wir dann das Handy, oder wir gehen nach draußen “eine rauchen”, falls das erlaubt ist! Aber von manchen Kindern verlangen wir, JEDEN TAG mehrere Einheiten von 45 Minuten bei massiver Unterforderung, Langeweile und Desinteresse durchzustehen und genau das zu machen, was wir verlangen. Ich finde das höchst unfair.

Da, wo Differenzierung schwer fällt bzw. Lehrer mit administrativen Aufgaben überlastet sind und den Arbeitsaufwand für individuelle Aufgaben einfach nicht stemmen können, hilft es, den betreffenden Schülern mehr Eigeninitiative zuzutrauen und zu erlauben. Mein eigenes Beispiel und das von Svenka sollten das lediglich illustrieren und ein paar Ideen in den Raum stellen, die man auch heute noch umsetzen kann.

Soll ich mein Kind auf Hochbegabung testen lassen?

Wie erkennt man eigentlich ein hochbegabtes Kind? Leider ist der schulische Erfolg kein zuverlässiger Indikator, denn unsere Schulen sind für fleißige und folgsame durchschnittlich Begabte ausgelegt. Um eine Hochbegabung sicher festzustellen, reicht auch ein IQ-Test nicht aus, wenn er nicht durch die Beobachtungen einer Fachperson ergänzt wird. Der bloße Status oder IQ-Wert bringt das Kind nicht weiter. Es geht vielmehr darum, den jungen Menschen mit all seinen Stärken zu sehen und seinem Potenzial zur Entfaltung zu verhelfen.

In dem Moment, wo ein Kind oder Jugendlicher bestimmte “Verdachtsmomente” auf Hochbegabung zeigt UND sich eine Fragestellung in Bezug auf seine Lernumgebung (z.B. Wahl der Schulform oder des Einschulungszeitpunktes) oder sein Verhalten (z.B. Schulverweigerung oder die Rolle des Außenseiters bzw. des Klassenkaspers) ergibt, ist es Zeit für eine Begabungsdiagnostik.

Typische Merkmale hochbegabter junger Menschen

Die folgende Auflistung ist keineswegs vollständig, und es müssen längst nicht alle Eigenschaften bei einem hochbegabten Kind oder Jugendlichen ausgeprägt sein. Je mehr von dieser Liste zutrifft, desto hilfreicher kann allerdings die Vorstellung bei einem Begabungsdiagnostiker sein.

  • außergewöhnliche Merkfähigkeit und schnelle Auffassungsgabe
  • umfangreiches Allgemeinwissen oder Spezialwissen
  • alters- und geschlechtsuntypische Interessen und Hobbys
  • schnelles, logisches, analytisches und divergentes Denken
  • korrekte, flüssige Sprache und großer Wortschatz
  • frühes bzw. eigenständiges Lesen, Schreiben, Rechnen und Benutzen digitaler Medien
  • intensive und außergewöhnlich detaillierte Beobachtung und Wahrnehmung der Umgebung
  • ausgeprägte Kreativität, Fantasie und Problemlösekompetenz
  • hohe Aktivität und Ausdauer, zumindest im Bereich der Spezialinteressen
  • große Neugier und Wissensdurst
  • wenig Motivation und Schusselfehler bei Fleiß- bzw. Routineaufgaben
  • ausgeprägter Gerechtigkeitssinn
  • Autonomiestreben und Hinterfragen von falschen Autoritäten und als sinnlos erlebten Regeln
  • Entwicklungsvorsprünge und Diskrepanz zwischen geistiger, körperlicher und sozial-emotionaler Entwicklung
  • hohe Sensibilität im sensorischen und emotionalen Bereich

Wo und bei wem lasse ich testen?

Nachdem Hochbegabung keine Krankheit ist, geht man dafür nicht zum Arzt oder ins SPZ, sondern zu Psychologen oder Begabungspädagogen, die sich auf hochbegabte junge Menschen spezialisiert haben. Nur sie können das Verhalten ihrer Testpersonen richtig bewerten und z.B. Desinteresse an zu einfachen Aufgaben von Nicht-Können sicher unterscheiden. IQ-Tests, die im Medizinbetrieb zum Ausschluss von ADHS oder zur Diagnostik von Teilleistungsstörungen durchgeführt werden, fallen häufig deutlich zu niedrig aus, auch weil die Testatmosphäre oft nicht ideal ist (das Kind ist müde, kennt den Tester nicht usw.).

Ein solches Testergebnis verhindert unter Umständen, dass junge Menschen als hochbegabt erkannt und entsprechend gefördert werden. Die Schwierigkeiten, die zur Testung geführt haben, werden in vielen Fällen dadurch verstärkt. Nachdem man IQ-Tests nicht einfach wiederholen kann, geht so wertvolle Zeit verloren und das Selbstbild des Kindes kann immensen Schaden erleiden.

Um diese Problematik zu verstehen, musst du wissen, dass Hochbegabung kein Mehr oder Besser ist, sondern eine viel komplexere, mehrdimensionale Art des Denkens und eine intensivere Wahrnehmung. Dieses qualitative Phänomen kann mit einem standardisierten Test, der am Ende Zahlen auswirft, nur unzureichend beschrieben werden. Somit gehört immer ein tiefes Verständnis für das Wesen der Hochbegabung dazu, welches nicht jeder hat, der berechtigt ist, IQ-Tests durchzuführen. Entscheidend ist immer auch die Fragestellung, unter der der Test durchgeführt wird. Für die Diagnostik von ADHS oder Lernstörungen ist eine mögliche Hochbegabung schlichtweg nicht relevant, und so wird der Tester sie nur dann bemerken, wenn entweder zufällig günstige Testbedingungen herrschen oder er sich damit auskennt.

Am besten gleich zum Begabungsdiagnostiker

Geht man zu einem erfahrenen Begabungsspezialisten, ist die IQ-Testung in einen Coaching- und Beratungsprozess eingebunden. Am Ende hast du ein ausführliches Gutachten mit konkreten Förderhinweisen für Schule oder Kindergarten in der Hand, das dir die gesamte Schullaufbahn deines Kindes zur Verfügung steht.

Leider musst du dafür selbst bezahlen, aber die durchschnittlichen Kosten von ca. 400 Euro für die Testung sind gut angelegtes Geld, denn sie ersparen oft kostspielige Therapien oder Nachhilfe. Zudem ist ein fundiertes Testgutachten immer hilfreich bei anstehenden Entscheidungen über den weiteren Bildungsweg, und es kann die Situation für die betreffenden jungen Menschen und ihre gesamte Familie spürbar erleichtern.

Falls du das Geld für die Begabungsdiagnostik nicht aufbringen kannst, findest du unter Umständen eine kostenfreie oder preiswertere Testmöglichkeit beim zuständigen Schulpsychologen oder indem du dich an eine Universität wendest, die Begabungsforschung betreibt. Bei ersterem bekommst du allerdings oft nichts Schriftliches in die Hand und stehst bei der nächsten Entscheidung oder nach einem Umzug in einen anderen Schulamtsbezirk wieder ohne etwas da.

Erst beraten lassen, dann testen!

Wenn du nicht weißt, ob du dein Kind testen lassen sollst und wenn ja bei wem, dann frage bei der nächstgelegenen Ortsgruppe der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) nach. Dort findest du erfahrene Eltern hochbegabter Kinder aus deiner Region.

Natürlich kann auch ich dich beraten und dir für viele Regionen im deutschsprachigen Raum kompetente Adressen nennen. Schreibe mich einfach an!

Das Erklärbär-Syndrom

Hast du ein hochbegabtes oder einfach nur pfiffiges und wissbegieriges Kind zu Hause? Dann kennst du das vielleicht auch. Dein Kind ist dir gefühlt ständig auf den Fersen, beobachtet, was du machst und hängt an deinen Lippen. Und das fängt schon im Babyalter an. Dieser forschende Blick fordert dich ständig auf, dem kleinen Entdecker Input zu geben.

Zum Glück kam das für mich als Mutter nicht gerade überraschend, denn ich war wohl selbst so ein Kind. Dadurch wusste ich auch sofort, was ich zu tun hatte, damit mich die ewige Fragerei nicht um meine Nerven brachte.

Mein Papa hatte nämlich eine Strategie entwickelt, die mir als kleinem Mädchen ausnehmend gut gefiel: Wo er auch hinging, egal ob er einem Kumpel auf dem Bau half, mit dem Motorroller einkaufen fuhr, den Garten umgrub, tapezierte oder ein Pferd beschlug – überall schleppte er mich mit hin. Unaufhörlich redete er ruhig vor sich hin und kommentierte, was er gerade machte. So wusste ich schon früh, wie man eine Sense schärft, konnte alle Pflanzen im Garten unterscheiden und meine Schuhe selber putzen. Mein Papa war mein wertvollster Lehrer, und ich bin dankbar, dass ich ihn immer noch habe.

So wusste ich gleich, wie ich meine kleine Svenka glücklich machen und dabei selbst entspannt bleiben konnte. Auch sie saugte das Wissen auf wie ein Schwamm. Bei uns verging kein Tag, ohne dass wir mehrere Bücher angeschaut bzw. vorgelesen haben. Aber noch wertvoller war das praktische Tun. Mit drei Jahren hat Svenka schon Kartoffeln für die Suppe kleingeschnitten und Plätzchen ausgestochen. In der Küche und im Garten hat sie ohne weiteres Zutun von mir sämtliche Grundschulmathematik gelernt.

Ich habe wie mein Papa immer ruhig vor mich hin geredet und kommentiert, was ich tue, manchmal auch erklärt, warum ich es so und nicht anders mache, sonst nichts.

Als Svenka 10 Jahre alt war, zogen wir zu ihrem Papa nach Berlin, und dort hatte sie endlich Freunde. Einmal war ein Mädchen zu Besuch, und wir kochten gemeinsam. Svenka holte kurz etwas, und ich redete mit dem fremden Kind genauso wie mit meinem eigenen. Da fragte das Mädchen: “Warum erklärst du mir das, bist du der Erklärbär?”

Erst da wurde mir wieder bewusst, dass Svenka und ich doch besondere Bedürfnisse hatten.

Stell dir vor, ich habe bis heute noch das Erklärbär-Syndrom, und ich erinnere mich, dass auch mein Papa es noch hatte, als ich längst erwachsen war. Svenka ist mittlerweile manchmal genervt von meinem Gelabere, aber Gewohnheiten können schon ziemlich hartnäckig sein.

Wie gehst du mit dem Wissensdurst deines Kindes um? Hast du genug Zeit und Muße, ihm den gewünschten Input zu geben? Wie beziehst du es in deinen Alltag ein? Falls das für dich herausfordernd ist, kontaktiere mich gern, und wir finden gemeinsam eine Lösung.

Hilfe, mein Kind zockt und hängt dauernd am Handy!

Fragst du dich manchmal, warum Handy, Tablet und Laptop bzw. das Internet so eine Faszination auf unsere Kinder ausüben? Für mich ist das völlig natürlich, denn das sind die wichtigsten Werkzeuge unserer Kultur! Kinder sehen uns täglich stundenlang damit hantieren und die verschiedensten Aufgaben erledigen. Der Umgang mit digitalen Medien und das Suchen und Auswerten von Informationen mit deren Hilfe sind heute Kulturtechniken, die gleichberechtigt neben dem Lesen, Schreiben und Rechnen stehen.

Kulturtechniken unterliegen einem Wandel

In der Schule jedoch kam zumindest vor Corona ein Großteil der jungen Menschen höchst selten mit einem Computer in Kontakt. Die miserable Ausstattung der Schulen mit Hardware und die mangelnden IT-Kenntnisse vieler Lehrkräfte, manchmal gepaart mit einer ablehnenden Haltung, haben das Schulsystem ab März 2020 vor nie gekannte Herausforderungen gestellt. Spätestens da dürfte allen Eltern klar geworden sein, dass sie die Verantwortung für die Bildung ihrer Kinder nicht an die Schule abgeben können.

Insgesamt dürfen wir dankbar dafür sein, dass die Pandemie bei der Digitalisierung unserer Schulen so viel ins Rollen gebracht und so manchen verantwortlichen Erwachsenen gezwungen hat, seine Komfortzone zu verlassen. Dabei wurde viel Erstaunliches und Wertvolles geleistet!

Lernen, was relevant ist

Was heißt das nun konkret? Unsere Kinder möchten genau wie wir das lernen, was für sie von Bedeutung ist. Sie verstehen, dass das Internet ein universelles Medium ist, das es sich zu beherrschen lohnt. Auch heute nimmt das Erlernen dieser Fähigkeiten in den Lehrplänen in der Schule noch zu wenig Raum ein bzw. es ist schlecht strukturiert oder beginnt für viele Kinder zu spät. Also lernen sie den Umgang mit dem Netz eigenständig. Der indische Bildungsforscher Sugata Mitra hat bereits 1999 mit seinem “Hole-in-the-Wall”-Experiment nachgewiesen, dass junge Menschen dazu in der Lage sind. Berichte dazu findest du bei YouTube.

Eltern sind das wichtigste Vorbild

Natürlich wird sich dein Kind das meiste von dir abschauen, und du kannst es dabei prima unterstützen. Ich halte für wichtig, dass ihr über die Gefahren sprecht, die ja durchaus im Netz lauern: unangemessene Inhalte, Falschinformationen, Computerviren, Datenklau und Schlimmeres. Du kannst dein Kind nur davor schützen, wenn du mit ihm gemeinsam viel darüber lernst, und nicht, indem du es möglichst lange vom Internet fern hältst!

Sprecht unbedingt über das, was ihr online so macht. Interessiere dich dafür, was dein Kind spielt und welche Webseiten es besucht. Zeige ihm öfter etwas von dem, was du im Internet recherchierst oder schaut mal zusammen YouTube.

Auch was den Ausgleich zur anstrengenden Bildschirmarbeit betrifft, bist du das Vorbild. Wenn du selbst mit dem Handy ins Bett gehst und es auch bei Tisch nicht ohne aushalten kannst, dann wundere dich nicht, dass dein Kind es dir nachmacht. Und nein, deine Chatnachrichten und Mails sind NICHT wichtiger als die deines Kindes, auch wenn sie dienstlich bzw. geschäftlich sind! Von wem soll dein Kind hier lernen, gesunde Grenzen zu setzen, wenn nicht von dir?

Reale Erfahrungen für alle Sinne sind vorrangig

Digitale Medien dürfen niemals Ersatz für persönlichen Umgang und für Erfahrungen im echten Leben sein! Gerade kleine Kinder bilden ihre psychomotorischen Fähigkeiten noch aus. Das klappt nur, wenn sie sich viel bewegen und ihre Sinnesorgane schulen können. Bei Kindern sollten diese Aktivitäten auf jeden Fall im Vordergrund stehen, und auch da ist dein Vorbild maßgebend! Wann warst du zuletzt mit deinem Kind wandern, Rad fahren, im Zoo oder im Schwimmbad? Für einen Spaziergang, einen Spielplatzbesuch, ein spontanes Picknick oder Ballspiel sollte mehrmals in der Woche Zeit sein. Dann ist es auch kein Problem, wenn dein Kind frühzeitig mit Handy oder Tablet umgeht.

Auch Schulkinder brauchen Bewegung als Ausgleich für die sitzende Tätigkeit und die viele Nah-Arbeit in der Schule. Frische Luft und ein freier Blick in die Ferne tragen zu einem gesunden Schlaf und besserer Konzentration bei. Solange dein Kind genug davon bekommt, kannst du in Bezug auf Handy und PC unbesorgt sein. Sollte das nicht so sein, wirst du mit Medienverbot die Situation nur verschlimmern. Geh lieber ins Gespräch mit deinem Kind und sucht nach Möglichkeiten, wie ihr Sport und Outdoor-Aktivitäten wieder attraktiv machen könnt. Schließt euch am besten mit befreundeten Familien zusammen.

Wenn du den Verdacht hast, dass dein Kind spiel- oder internetsüchtig ist, dann überlege zuerst, welches unerfüllte Bedürfnis dahinter steckt. Lasse dich am besten rechtzeitig beraten. Oft haben außenstehende Fachleute einen klareren Blick auf die Situation und können frustrierte oder in sich gefangene junge Menschen besser erreichen als die eigenen Eltern. Nur mit Sanktionen erreichst du lediglich eine Verschlechterung eurer Beziehung und schaffst für dein Kind ein weiteres unerfülltes Bedürfnis, dem es potenziell mit einer Sucht begegnen könnte. Je früher du reagierst, desto besser. Aber so weit muss es nicht kommen, wenn Kinder behutsam an die digitalen Medien herangeführt werden.

Medienverhalten verantwortungsvoll begleiten ohne Verbote

Svenka stellte mir schon mit 2 Jahren Fragen, die ich ihr ohne das Internet nicht beantworten konnte (z.B. “Wie spricht ein Dachs?”). Ich nahm sie auf den Schoß und durchstöberte mit ihr das Tierstimmenarchiv. Mit etwa 4 Jahren bekam sie eine Laptop-Maus für ihre kleine Hand. Damit durfte sie, während ich am Nebentisch arbeitete, Puzzlespiele spielen und sich durch die Website der Sendung mit der Maus klicken. Tablets und Smartphones hatten wir damals noch nicht, und Fernsehen gab es nur bei Ompa. Als Svenka ein Jahr später schon etwas lesen konnte, habe ich ihr einige Websites für Kinder in die Lesezeichenleiste gelegt und ihr MS Paint zum Malen gezeigt.

In der 1. Klasse hat sie den Internetführerschein abgelegt. Die Seite hatte sie selbst über ein Kinderportal gefunden. Sie konnte da auch schon selbstständig Fragen zu ihren gelesenen Büchern in Antolin beantworten. In der 2. Klasse hat sie am Mathe-MOOC für Erwachsene bei iversity teilgenommen. Seit der 3. Klasse ist sie in den sozialen Netzwerken unterwegs und hat ein Tablet. Das Handy gab es erst mit knapp 13 Jahren.

Computerspiel als Ersatz für fehlende Freiräume und wichtige Selbstwirksamkeitserfahrung

Junge Menschen haben ein sicheres Gespür dafür, wie sie ihre ureigenen Bedürfnisse nach persönlichem Wachstum, Selbstwirksamkeit, Wertschätzung und Zugehörigkeit zu einer für sie sicheren und inspirierenden Gemeinschaft befriedigen können.

Zocken, am Handy daddeln oder stundenlanges Scrollen in den Sozialen Netzwerken ist bei ihnen auch Ausdruck ihres ganz normalen Autonomiestrebens. Unser Nachwuchs verbringt viel mehr strukturierte Zeit unter Aufsicht von Erwachsenen als wir in unserer Kindheit. Viele haben kaum noch Freiräume, wo sie frei spielen, sich entspannen, Dinge ausprobieren, Risiken eingehen, selbstbestimmt lernen und miteinander interagieren dürfen.

Computerspiele sind meistens sehr klug nach den Erkenntnissen der Hirnforschung aufgebaut. Für erlernte Fähigkeiten wird der Spieler unmittelbar belohnt, indem er das nächste Level erreicht. Das Spiel passt sich immer perfekt an das jeweilige Fähigkeitsniveau an und bietet Aufgaben, die knapp darüber liegen und somit Erfolgserlebnisse ermöglichen. So werden im Prozess des Spielens angenehme Emotionen angesprochen, die das Lernen und Dranbleiben erleichtern. Die gesamte unterhaltsame Aufmachung verstärkt diesen Effekt.

Zum Glück gibt es inzwischen auch Lern-Apps wie König der Mathematik oder Duolingo, die nach diesen Prinzipien funktionieren. Spielen ist die effektivste Art des Lernens überhaupt. Auch Wissenschaftler, Erfinder und Künstler tun im Grunde genommen nichts anderes. Deshalb hat in der Erwachsenenbildung der Trend Gamification schon lange Einzug gehalten, während vor allem das staatliche Schulsystem in diesem Bereich noch viel Nachholbedarf hat. Wenn du es nicht glaubst, blättere einmal einige Lehrbücher für das Gymnasium durch und vergleiche sie mit solchen für Erwachsene!

Nur durch Vertrauen kann Selbstregulation erlernt werden!

Mit 11 Jahren wechselte meine Tochter an eine demokratische Schule, wo es wesentlich mehr Freiheiten gibt als im staatlichen Schulsystem. Da wurde dann zunächst jedes noch so primitive Spiel ihrer Freunde ausprobiert. Für einige Wochen schien das Töchtis Lebensinhalt zu sein. Dann wurde es plötzlich wieder uninteressant bis auf gelegentliches Minecraft-Spielen oder selten mal eine Runde Overwatch mit ein paar Kumpels. “Zocken” war nie ein Reizthema. Wir haben auch nie die Zeit beschränkt, außer wenn dringende Aufgaben wie Sachen packen oder Müll rausbringen anstanden.

Dass Bildschirm gucken anstrengend ist, vor allem dann, wenn man deshalb zu wenig schläft, hat Töchti aus Erfahrung lernen dürfen. Sie spürte irgendwann selbst, wann es Zeit war, die Inliner an die Füße zu ziehen und nach draußen zu gehen.

Was Svenka mit Hilfe von Tablet und Stift inzwischen zaubert, kannst du regelmäßig in den sozialen Netzwerken, hier auf der Website, im Newsletter und unseren Printmedien bewundern. Hätte ich die Zeit begrenzt, die sie am Tablet sein darf, hätte sie vielleicht nie ihr Talent für und ihr Interesse an digitaler Kunst entdeckt.

Wir waren immer über alles im Gespräch, und es gab nie auch nur den Anschein eines Pro­blems. Natürlich ist unser Beispiel nicht auf jedes Kind übertragbar, aber die grundsätzliche Herangehensweise ist es schon!

Auf unserer Facebookseite und auf dem Instagram-Profil sowie in unserem Newsletter bekommst du von uns regelmäßig Tipps für kindgerechte und unterhaltsame Websites, Apps, Computerspiele und Podcasts. Stöbere am besten gleich mal danach!

Wenn das Medienverhalten deines Kindes für dich nicht akzeptabel ist, melde dich gern bei mir und lass uns gemeinsam nach einer Lösung suchen!

Unterforderung bei hochbegabten Schulanfängern

Viele als hochbegabt erkannte oder einfach clevere Kinder werden vorzeitig eingeschult, aber längst nicht alle. Ein Schulbeginn bereits mit 5 Jahren birgt auch keine Garantie, dass es nicht zu einer Unterforderung kommt. Nachdem intelligente Kinder schneller und selbstständiger lernen als Gleichaltrige, wird der Punkt in jedem Fall während der Grundschulzeit erreicht, oftmals schon in den ersten Schultagen oder -wochen. Sehr oft wird man erst dadurch überhaupt auf eine mögliche Hochbegabung des Kindes aufmerksam.

Alle Kinder brauchen Aufgaben, an denen sie wachsen können!

Kinder brauchen um sich gesund entwickeln zu können Selbstwirksamkeitserfahrungen. Das heißt sie müssen einen Zusammenhang zwischen ihrem Bemühen und ihren Lernfortschritten bzw. ihrem Erfolg wahrnehmen können. Dafür brauchen sie Aufgaben, die geringfügig über ihrem Fähigkeitsniveau liegen. Schüler, die bereits mehr wissen und können als ihre Klassenkameraden, bekommen oft keine solchen Aufgaben und können daher nur schwer eine Leistungsmotivation entwickeln.

Deshalb ist die mangelnde Förderung hochbegabter Kinder an unseren Schulen, vor allem den Grundschulen, alles andere als ein Luxusproblem! Dauerhafte Unterforderung kann nicht nur Minderleistung (Underachievment) zur Folge haben, sondern auch zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Darüber schreibe ich ein andermal ausführlich.

Enttäuschung schon in den ersten Schulwochen

Heute soll es einmal um die typischen ersten Anzeichen der Unterforderung im ersten Schuljahr gehen und darum, was man dagegen tun kann. Diese Chatnachricht meiner Klientin Elvira (Name geändert) vom September 2021 ist eine von vielen, die mich zum Thema Unterforderung in der Grundschule erreichte:

“Mein Sohn Julian wurde vor zwei Wochen eingeschult. Er hat sich sehr darauf gefreut, aber schon am dritten Tag beklagte er sich, dass ihn der Babykram dort nicht interessiert. Schon die erste Hausaufgabe geriet zu einem Machtkampf. Was kann ich tun?”

Meine Antwort möchte ich an dieser Stelle natürlich ebenfalls mit dir teilen: ” Liebe Elvira, falls du schon länger beobachtest, dass dein Sohn sehr schnell lernt, sich für altersuntypische Themen interessiert und geistig auf vielen Gebieten weiter entwickelt ist als gleichaltrige Kinder, dann beschäftige dich einmal mit dem Thema Hochbegabung. Dazu schicke ich dir gern Infomaterial, Link- und Buchtipps und berate und begleite dich und dein Kind individuell.

Davon unabhängig kannst du sofort einiges tun, um die akute Unlust abzumildern. Zunächst einmal: In jedem Schulgesetz steht, dass Kinder entsprechend ihrer Begabung gefördert werden müssen. Das heißt, Lehrkräfte sind verpflichtet, zu differenzieren. Leider sind wir durch Defizite in der Lehrerausbildung, den verbreiteten Lehrermangel, Corona und andere Widrigkeiten weit von diesem Anspruch entfernt.

Dauerhafte Unterforderung ist nicht hinnehmbar!

Dauerhafte Unterforderung kann die Lernfreude und Motivation deines Kindes zerstören und im Extremfall sogar psychische Erkrankungen und psychosomatische Beschwerden zur Folge haben! Betroffene Kinder fallen häufig in der Klasse auf und werden am Ende ausgegrenzt und gemobbt. Du solltest deshalb für dein Kind angemessene Aufgaben einfordern, allerdings auch deinen Teil dazu beitragen.

Wenige Tage oder Wochen nach der Einschulung kannst du noch nicht erwarten, dass die Lehrkraft sich ein genaues Bild vom Leistungsstand, den Interessen und der Motivation eines jeden Kindes gemacht hat. Deshalb biete deine Unterstützung an.

Förderung im Familienalltag

Nimm deine Verantwortung für die Bildung deines Kindes wahr und schaffe zu Hause ein anregendes Lernumfeld. Beobachte, wofür Julian sich interessiert, greife seine Impulse auf und beantworte seine Fragen. Stelle ihm möglichst jeden Tag praktische Aufgaben, an denen er wachsen kann und zeige, dass du sein Bemühen wertschätzt.

Sucht Berührungspunkte zu dem, was Julian in der Schule lernen soll. Dabei entstehen ganz sicher Arbeitsproben, die er mit zur Schule nehmen und der Lehrerin zeigen kann. Du kannst einen Zettel dazulegen, wo du kurz beschreibst, wie die Arbeit entstanden ist. So erhält die Lehrerin mehr Einblick in das, was Julian schon kann, und wie sie ihn begeistern kann. Er kann auch seine Lieblingsbücher, Bastelarbeiten und andere Dinge in der Schule zeigen. Damit motivierst du gleichzeitig deinen Sohn und lenkst die Aufmerksamkeit der Lehrkraft auf seine Stärken.

Meine Tochter hat sich zum Beispiel allerlei Flugapparate ausgedacht, sie gezeichnet und beschrieben. Dann hat sie Protokoll über das Geschehen am Vogelhaus geführt und Steckbriefe von über 30 Vogelarten gezeichnet und geschrieben. Sie hatte eine wunderbare Klassenlehrerin, die solche Arbeiten von Kindern immer gewürdigt und im Klassenraum ausgestellt hat.

Differenzierung im Unterricht ist ein Muss!

Wenn eure Lehrerin erfahren ist im Umgang mit klugen Kindern, wird sie ähnlich reagieren, für diese Unterstützung deinerseits dankbar sein und Julian angemessene Aufgaben geben. Er könnte z.B. Sudoku spielen statt Zahlen in Reihen zu schreiben oder ein Geschichtenheft anlegen statt Wörter abzuschreiben. Oder er darf einmal vor der Klasse seine Lieblingsgeschichte vorlesen. Oder er bekommt schon Arbeitsblätter der 2. Klasse. Es gibt da sehr viele Möglichkeiten.

Meine Tochter betraf dieses Problem auch. Sie hatte das oben erwähnte Geschichtenheft. In Mathe durfte sie gleich in Klasse 2 einsteigen, brauchte aber nicht alle Aufgaben zu schaffen. Zusätzlich gab es Knobelaufgaben. In Sachkunde hat sie sogar mit Vorträgen ganze Unterrichtsstunden gestaltet! Dazu habe ich ihr Fotos zum Präsentieren, Anschauungs- und Bastelmaterial für alle mitgegeben.

Wenn dein Kind jenseits der Norm liegt, bist du immer als MaPa besonders gefragt, die Lehrkräfte zu unterstützen! Natürlich solltest du auch mit deinem Kind über seine besonderen Lernbedürfnisse sprechen, ihm erklären, dass diese völlig in Ordnung, aber nicht immer überall und sofort erfüllbar sind. Besonders begabte Kinder müssen auch lernen, mit Gleichaltrigen, die nicht so fix sind, respektvoll umzugehen. Dafür sollten wir als Eltern sie sensibilisieren.

Hausaufgaben sollten individuell gestellt werden!

Was die Hausaufgaben betrifft, empfehle ich dir, im Gespräch mit Julian die Aufgaben etwas abzuwandeln, so dass sie für ihn interessanter werden. Vielleicht könnt ihr sie schwieriger machen, als Spiel oder Wettbewerb gestalten oder mit seinen Hobbys verknüpfen. Meine Tochter sollte einmal dreistellige Zahlen aus einem Text in eine Tabelle abschreiben und hat das verweigert. Da kam sie selbst darauf, alle ihre Modellautos zu vermessen, zu wiegen und ihnen einen “Ausweis” zu verpassen.

Nicht alle Lehrkräfte tolerieren so viel Eigensinn, und manchmal sind die Hausaufgaben auch Grundlage zum Weiterarbeiten am nächsten Tag. Wenn du nicht sicher bist und die Möglichkeit hast, schreib die Lehrerin kurz über WhatsApp o.ä. an.

Lass auf keinen Fall zu, dass die Hausaufgaben eure Beziehung oder gar das ganze Familienleben belasten! Wesentlich mehr als 30 Minuten sollten sie in den ersten beiden Schuljahren auf keinen Fall beanspruchen! Wenn diese Zeit verstrichen ist und die Aufgaben nicht fertig sind, schreibst du einen Hinweis für die Lehrerin darunter.

Im Gespräch mit der Schule bleiben

Solltest du trotz aller Bemühungen nach 3-4 Wochen keine Veränderung bemerken, ist es Zeit, das Gespräch mit der Lehrkraft zu suchen. Mach dir im Vorfeld Notizen, damit du in der Aufregung nichts vergisst anzusprechen. Nimm am besten noch eine weitere Bezugsperson deines Kindes mit zum Gespräch. Ansonsten stehe ich dir für die Vorbereitung gern zur Verfügung und begleite dich auch zur Schule, wenn du das wünschst, bzw. ich kann mich über Zoom dazuschalten.

Falls sich danach nichts ändert, wende dich an die Schulleitung und notfalls als nächste Instanz an das Schulamt. Falls Julian in der Mehrzahl der Fächer unterfordert ist, könnte eventuell ein Sprung in Klasse 2 in Frage kommen. Es gibt auch die Möglichkeit, in einzelnen Fächern in eine höhere Klasse zu gehen (Drehtürmodell).

Berufe dich immer auf das Schulgesetz deines Bundeslandes und verweise auf deine bisherigen Bemühungen. Dazu solltest du dir am besten immer gleich alles notieren, was du tust, um Julian zu unterstützen, und wie die Reaktion darauf war. Lege dir dafür am besten ein Notizbuch an, in das du auch alle besonderen Vorkommnisse im Zusammenhang mit der Schule und deine Notizen zu Elterngesprächen schreibst.

Coaching und Beratung führen schneller zu einer Lösung!

So, liebe Elvira, ich denke, ich habe dir einige Anregungen gegeben. Du kannst dich gern zu einem persönlichen Gespräch bei mir melden, wenn du mehr Unterstützung und z.B. Materialempfehlungen möchtest, die speziell auf Julian zugeschnitten sind. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg und Julian viel Spaß in der Schule und beim Lernen!”

Findest du dich mit deinem Kind in einer ähnlichen Situation wieder und hast weitere Fragen? Gern berate und begleite ich euch persönlich, auch im Dialog mit der Schule. Das Kennenlerngespräch ist kostenlos, also schreib mir gleich eine Mail oder kontaktiere mich über WhatsApp, Facebook oder Instagram. In dringenden Fällen kannst du mich auch anrufen.

Lernen ist ein Bedürfnis. Bildung geschieht zeitlebens. Nur die Schule steht oft im Weg.

Was ist Bildung

Bildung ist was sich bildet, während wir uns mit unseren Mitmenschen, unserer Umwelt und den Aufgaben, die uns das Leben stellt, auseinandersetzen. Bildung geschieht ununterbrochen. Wir treten also – zeitlebens! – mit allem, was uns umgibt, in Interaktion, bekommen Rückmeldung und speichern in diesem Prozess die von unserem Gehirn als bedeutsam erachteten Informationen und Erfahrungen ab, um sie später zur Bewältigung neuer Herausforderungen nutzen zu können.

Wer ist für die Bildung verantwortlich?

Nachdem Kinder weitgehend hilflos und abhängig zur Welt kommen, ist es naturgegeben, dass wir Erwachsenen auch zunächst die Verantwortung für die Bildung unserer Kinder übernehmen müssen. Wir sind verantwortlich dafür, in welcher Umgebung unsere Kinder aufwachsen und welche Erfahrungen sie machen können.

Auf der anderen Seite bringen Kinder jegliche Motivation und die Fähigkeit, sich zu bilden, schon ab Geburt mit. Es kommt darauf an, dass wir dieses Potenzial unserer Kinder sehen, darauf vertrauen, es beschützen, günstige Bedingungen schaffen und die Verantwortung nach und nach den Kindern übertragen.

Durch unsere Berufstätigkeit kommen die meisten Kinder schon frühzeitig in die Fremdbetreuung. Daran ist per se nichts falsch, denn es ist für Kinder von Vorteil, wenn sie auch Erfahrungen außerhalb der Familie und mit wechselnden Bezugspersonen machen können. Nicht umsonst sagt man “Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein Dorf”. Auch in traditionellen Gesellschaften werden schon Kleinkinder in einer Gemeinschaft betreut.

Was läuft falsch?

Was nicht förderlich ist für eine gelingende Bildung sind die strikte Sortierung nach Jahrgängen, die immer stärker werdende Normierung und die Reglementierung unserer Kinder. Viele Stunden des Tages verbringen sie sitzend in geschlossenen Räumen und sind gezwungen, sich ihr Weltwissen aus zweiter Hand in Form von Lehrervorträgen, Schulbüchern und Arbeitsblättern zu erschließen, statt mittendrin im Leben zu sein.

Kinder haben immer weniger Zeit und Raum zum freien Spiel und zum forschenden und entdeckenden Lernen, das jedem Baby angeboren ist. An dessen Stelle treten immer mehr von Erwachsenen angeleitete und strukturierte Aktivitäten. Spätestens im Lauf der Grundschule werden die meisten jungen Menschen zu lustlosen Pflichterfüllern, wie Gerald Hüther in einem Video auf YouTube sagt.

Der Erwerb des schulischen Lernstoffes bereitet immer mehr Kindern und Jugendlichen immer mehr Schwierigkeiten. Ihren Unmut und ihre Verzweiflung machen sie durch auffälliges Verhalten deutlich, in der Hoffnung, dass den Verantwortlichen endlich etwas auffällt.

Statt das System Schule von Grund auf neu zu erfinden und dabei von den Potenzialen unserer Kinder und den Erfordernissen für das Überleben der Spezies Mensch auf diesem Planeten auszugehen, machen wir schön weiter wie bisher und betreiben Augenwischerei.

Schule müsste von Grund auf neu erdacht werden!

Die Bildungsdebatte findet an Nebenschauplätzen wie G8 oder G9 oder der Einführung eines Unterrichtsfachs “Glück” statt, während heilige Kühe wie die sogenannte Schulpflicht nicht angetastet werden. Da ließe sich tatsächlich eine Veränderung bewirken, aber man sieht lieber weiter zu und schiebt den jungen Menschen, die sich nicht reibungslos in die starren Strukturen einfügen, die Verantwortung für das Versagen der Bildungspolitik zu, indem man sie mit Diagnosen wie ADHS, ASS, LRS oder Dyskalkulie zum Symptomträger eines kranken Schulsystem macht.

In den Schulgesetzen der Länder finden sich allerlei schöne Versprechungen, aber die Realität sieht anders aus. In einer Schule, die nach dem Vorbild von Kirche, Militär und Fließband erschaffen wurde, kann man keine Menschen heranbilden, die Werte wie Gemeinsinn, Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Ehrlichkeit, Vertrauen, Mut und Eigenverantwortung vertreten. Diese sind dringend nötig, um die Herausforderungen der menschlichen Gesellschaft zu lösen, vom Weltfrieden über den Klimawandel bis zu Pandemien und Hunger.

Trotzdem macht man schön weiter wie bisher und sortiert alles aus, was über oder unter dem Durchschnitt liegt. Denn es geht in der Schule leider nicht um Bildung, sondern um Unterwerfung. Sonst würde man nicht an all die verschiedenen Schüler dieselben Anforderungen stellen und sie entsprechend bewerten und sortieren.

Wie gelingt Bildung?

Gerald Hüther hat im Film “Kinder” von Reinhard Kahl formuliert, was Kinder brauchen, um sich gut bilden und entwickeln zu können:
1. eine Gemeinschaft, in der sie sich aufgehoben fühlen
2. Vorbilder, an denen sie sich orientieren können
3. Aufgaben, an denen sie wachsen können

Ergänzen möchte ich noch, dass Kinder auch Vertrauen brauchen, und dass Druck kontraproduktiv ist. Leider ist in der Pädagogik die Defizitbrille das gängigste Arbeitsmittel, und die Schwarze Pädagogik mit ihren Einschüchterungen und Bestrafungen hat noch lange nicht ausgedient. Die Tatsache, das Angst unser Großhirn blockiert und nachhaltiges Lernen verhindert, ist hinreichend bekannt, wird aber im Schulbetrieb geflissentlich ignoriert.

Bei einer immer größer werdenden Zahl von jungen Menschen werden diese Grundbedürfnisse in der Schule nicht mehr erfüllt. Ihr Potential verkümmert, sie leiden und werden oft mit Diagnosen und Medikamenten abgespeist. Lasst uns das nicht länger hinnehmen!

Bildung muss Vielfalt zulassen!

Wenn du ein Kind hast, das unter dem Schulsystem leidet, wenn du selbst schlimme Erfahrungen machen musstest, wenn du in der Schule arbeitest und dir deinen Beruf ganz anders vorgestellt hast, lass uns austauschen.

Lass uns vernetzen, Ideen und Meinungen austauschen, gemeinsam mehr Eigenverantwortung wagen und Settings schaffen, in denen Lernen eine Freude und ein Bedürfnis ist und in denen Bildung gelingt!