Schule

Langeweile in den Ferien

Langeweile in den Ferien

„Mir ist so langweilig!“

Wie oft hörst du diese Klage in den Ferien von deinem Kind? Wie geht es dir damit?

In den sozialen Netzwerken kann man mit Beginn der Ferien darauf warten, dass genervte Eltern Rat suchen, weil ihre Kinder zu Hause nicht ausgelastet und unleidlich sind.

Warum können sich Kinder so schlecht allein beschäftigen?

Schon sehr früh sind die meisten Kinder für viele Stunden täglich in der Fremdbetreuung. Daran ist grundsätzlich nichts falsch, aber das Setting ist in der Regel so, dass der Tag durchstrukturiert ist und sämtliche Aktivitäten von Erwachsenen initiiert und angeleitet werden.

Auch in der Familie haben die Kinder oft mehr Verpflichtungen als Freiräume und Zeit für eigene Ideen. Viele moderne Spielzeuge schränken die Kreativität unserer Kinder stark ein, indem sie zu viel vorgeben. Der Überfluss in den Kinderzimmern tut ein übriges.

Welche Bedürfnisse haben Kinder überhaupt?

Wenn unsere Kinder unzufrieden sind, liegt das immer daran, dass ihre Grundbedürfnisse nicht erfüllt sind. Gerald Hüther hat diese im Film „Kinder“ von Reinhard Kahl folgendermaßen formuliert:

„Eigentlich braucht jedes Kind drei Dinge: Es braucht Aufgaben, an denen es wachsen kann. Es braucht Vorbilder, an denen es sich orientieren kann. Und es braucht Gemeinschaften, in denen es sich aufgehoben fühlt.

Für die Erfüllung dieser drei Bedürfnisse müssen wir als Erwachsene sorgen, dann können sich Kinder gesund entwickeln.

Vertrauen und Eigenverantwortung oder Dauer-Bespaßung?

Da, wo wir unseren Kindern ein gutes Vorbild sind, sie an unserem Leben teilhaben lassen, ihnen Zugang zu den Gemeinschaften bieten, deren Teil wir selbst sind, und ihnen zutrauen, sich selbst geeignete Aufgaben zu stellen und weitere Gemeinschaften für sich zu finden oder zu schaffen, tun wir als Eltern oder Pädagogen genug.

Wenn wir jedoch alle Strukturen und Regeln vorgeben und erwarten, dass die Kinder uns widerspruchslos folgen, nehmen wir ihnen die Fähigkeit, für sich selbst zu sorgen, Entscheidungen zu treffen und eigenständig zu lernen.

An Stelle der intrinsischen Motivation und der angeborenen Freude am Spielen, Lernen und Entdecken tritt das Bestreben, es uns recht zu machen, Lob zu bekommen und Strafen zu vermeiden.

Gut angepasste Kinder haben weniger Probleme in der Schulzeit

Wenn dein Kind das Glück hat, dass sein Entwicklungsstand, seine Interessen und seine Persönlichkeit kompatibel mit den Anforderungen des Schulalltags sind – herzlichen Glückwunsch! Dann sollte euer Familienleben während der Schulzeit vergleichsweise entspannt sein. Denn die oben genannten drei wichtigen Bedürfnisse deines Kindes werden in der Schule weitgehend erfüllt.

Genau deshalb kann es allerdings sein, dass ausgerechnet in den Ferien Stress aufkommt. Die Gemeinschaft, in der dein Kind lernt, ist plötzlich nicht mehr täglich verfügbar, es bekommt keine Aufgaben mehr gestellt und anstelle der Lehrkräfte bist du jetzt das Vorbild für dein Kind.

Du bist der wichtigste Lehrer deines Kindes

Bist du auf diese Rolle vorbereitet? Eigentlich ist es deine ureigenste Aufgabe als Mama oder Papa! Über viele Jahrzehnte hat man uns glauben gemacht, dass es Experten braucht, die über die Bildung und Erziehung unserer Kinder entscheiden. Dabei kennen wir unsere Kinder am besten und wissen, was sie benötigen.

Höre auf dein Kind und lass dich nicht verunsichern. Nimm dir Zeit, gemeinsam mit ihm die Ferien zu genießen. Es müssen nicht immer große Reisen und spektakuläre Unternehmungen sein. Auch kleine gemeinsame Projekte in Haus und Garten, Spaziergänge, Zoobesuche oder Radtouren können zu schönen Ferienerinnerungen werden und nachhaltige Lernerfahrungen sein.

Wir von MenschensBILDUNG geben dir auf Facebook und Instagram an jedem Wochenende und in den Ferien Tipps, wie Langeweile bei euch gar nicht erst aufkommt. Wenn du konkrete Unterstützung möchtest, kontaktiere uns gern bzw. komm in unsere kostenlose Facebook-Gruppe Bunte Vögel – Talente entdecken statt Defizite bekämpfen.

Langeweile und Unterforderung im Unterricht

Langeweile im Unterricht und Begabtenförderung à la DDR

In diesem Artikel möchte ich mit dir meine eigenen Erfahrungen mit Unterforderung und Langeweile in der Schule teilen. Schon früh musste ich Strategien finden, damit umzugehen und meinem Schulbesuch einen Sinn zu geben.

Später erhielt ich zunehmend Unterstützung von Lehrkräften, die mein Potenzial und meine Bedürfnisse sahen und mir erlaubten, mich innerhalb der Schulgemeinschaft zu engagieren. So wurde nebenbei auch verhindert, dass ich auf Grund meiner Andersartigkeit gemobbt wurde.

Meine Schulzeit war von 1974 bis 1986 in der DDR. Im Rückblick ist mir klar, warum meine Eltern nie zu Elternabenden gingen. Telefon und Internet gab es damals noch nicht. Die Beschwerden der Lehrer über mein dauerndes Schwatzen und meine Unlust im Unterricht kamen trotzdem an, denn der Mann meiner Klassenlehrerin war Arbeitskollege meines Vaters. Vieles erledigte man damals “auf dem kleinen Dienstweg”.

Wie alle Kinder kam ich erwartungsfroh in die Schule, freute mich darauf, Neues erleben, erfahren und entdecken zu dürfen, aber vom ersten Tag fühlte ich mich unverstanden. Wenn sich andere Kinder freuten, einen neuen Buchstaben kennenzulernen, konnte ich das gar nicht nachvollziehen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon keine Erinnerung mehr daran, wie ich lesen gelernt hatte. Ja, ich war sogar sehr verwundert, dass man das überhaupt lernen musste. Was war nur falsch an mir?

Zunächst meldete ich mich eifrig und wollte mein Wissen teilen, doch dauernd musste ich warten und wurde vertröstet, bis ich immer stiller wurde und auch nichts mehr fragte.

Irgendwann wurde ich Meisterin im Wegträumen. Während der Monologe der Lehrerin oder in der Stillarbeit dachte ich mir Geschichten aus. Trotzdem bekam ich mit, wann ich meine Antennen wieder auf den Unterricht richten musste. Das ist eine wertvolle Fähigkeit, und man kann es lernen. So konnte ich immer das Geforderte abliefern und bekam nicht zu viel negative Aufmerksamkeit.

In der Grundschule war das für mich die einzige Chance, vor Langeweile nicht verrückt zu werden, denn dort werden Kinder sehr engmaschig beobachtet und reglementiert.

Zum Glück gibt es heutzutage mehr Freiarbeit und Montessori-Methoden als früher und weniger Frontalunterricht. Die vielen Wiederholungen sind aber nach wie vor eine Tortur für clevere Kinder.

Ab Klasse 5 konnte ich im Unterricht unter der Bank lesen oder meine Geschichten und fixen Ideen in ein Heft schreiben. Meine Hausaufgaben machte ich immer gleich in der Schule. Auch meine Häkelsachen hatte ich oft dabei. Meistens wurde es toleriert, denn ich konnte ja auf Fragen antworten und bei Klassenarbeiten meine Leistung abliefern.

Zum Glück beschäftigten sich auch meine Mitschüler zunehmend anderweitig im Unterricht, Briefchen schreiben und kleine Streiche waren in unserer Klasse mehr die Regel als die Ausnahme, und ich nahm die gute Stimmung dankbar an. Nebenbei halfen wir uns gegenseitig bei den Aufgaben. Die Lehrer gingen damit recht entspannt um, solange der Unterricht ansonsten lief.

Etwa ab Klasse 6 durfte ich bei manchen Fachlehrern komplette Unterrichtsstunden allein gestalten, was mir große Freude gemacht hat und bei meinen Klassenkameraden sehr gut ankam. Ich durfte im Unterricht anderen Schülern gezielt helfen und wurde ab Klasse 8 sogar als Vertretungslehrerin und Leiterin mehrerer AGs eingesetzt. Die Vorbereitungen dafür durfte ich in der Unterrichtszeit machen.

Öfter wurde ich auch an Schultagen zu Wettbewerben geschickt oder erledigte Wege für meine Lehrer. Sie liehen mir auch regelmäßig ihre besten Bücher aus und teilten Material von Fortbildungen mit mir.

Bei Veranstaltungen durfte ich mit organisieren, moderieren und beim Karneval in die Bütt steigen.

Damals hatte noch nie jemand das Wort “Hochbegabung” gehört, aber besonders die sogenannten Neulehrer, Arbeiter, die nach 1945 im Osten Deutschlands im Schnellverfahren zu Lehrern gemacht wurden und sich ein Leben lang fortbildeten, wussten durch ihre Lebenserfahrung, was ich brauchte. Und davon profitierte unsere ganze Klasse. Ich war zwar dadurch Außenseiterin, wurde bewundert und belächelt zugleich, aber ich wurde akzeptiert und niemals gemobbt und fühlte mich zumindest in den oberen Klassen sehr wohl in der Schule.

Heute scheint es weniger Toleranz für von der Norm abweichende Lernbedürfnisse und alternative Beschäftigungen zu geben. Als Mutter von Svenka bekam ich immer wieder Beschwerden, wenn sie sich in ihrer Not eigene Aufgaben stellte.

Aber es gab auch positive Beispiele. Durch die Altersmischung in der Schuleingangsphase und das Engagement der Klassenlehrerin wurde in den ersten beiden Schuljahren viel unnötige Langeweile vermieden. Svenka durfte da schon Geschichten schreiben, Vorträge halten, und ihre Arbeiten von zu Hause wurden in der Klasse ausgestellt. So erfuhr sie die Wertschätzung, die jedes Kind braucht, und auf dieser Basis wuchs auch ihre Frustrationstoleranz bei Routineaufgaben und Wartezeiten. An Anpassung ist ja nichts falsch, solange sie nicht STÄNDIG verlangt wird.

Die Deutschlehrerin in Klasse 4 konnte Svenkas Quatschgeschichten, die sie aus den “Lernwörtern” schrieb, wertschätzen, und sie halfen schließlich auch den Mitschülern. Worüber man gelacht hat, das behält man bekanntlich am besten im Gedächtnis.

Der Englischlehrer in der 5. Klasse duldete es, dass sie lieber Harry Potter auf Englisch las und mit ihm über seine Katze parlierte, als Anfänger-“Vokabeln” von der Tafel abzuschreiben. Warum auch nicht?

Ich wünsche mir, dass immer mehr Lehrkräfte erkennen, dass ALLE Schüler Aufgaben brauchen, die knapp über ihrem Fähigkeitsniveau liegen, um lernen und sich gesund entwickeln zu können.

Fangen wir doch einmal bei uns selbst an: Auch wir Erwachsenen müssen MANCHMAL eine langweilige Veranstaltung über uns ergehen lassen. Wie verhalten wir uns da? Wie schnell zücken wir dann das Handy, oder wir gehen nach draußen “eine rauchen”, falls das erlaubt ist! Aber von manchen Kindern verlangen wir, JEDEN TAG mehrere Einheiten von 45 Minuten bei massiver Unterforderung, Langeweile und Desinteresse durchzustehen und genau das zu machen, was wir verlangen. Ich finde das höchst unfair.

Da, wo Differenzierung schwer fällt bzw. Lehrer mit administrativen Aufgaben überlastet sind und den Arbeitsaufwand für individuelle Aufgaben einfach nicht stemmen können, hilft es, den betreffenden Schülern mehr Eigeninitiative zuzutrauen und zu erlauben. Mein eigenes Beispiel und das von Svenka sollten das lediglich illustrieren und ein paar Ideen in den Raum stellen, die man auch heute noch umsetzen kann.

Unterforderung bei hochbegabten Schulanfängern

Viele als hochbegabt erkannte oder einfach clevere Kinder werden vorzeitig eingeschult, aber längst nicht alle. Ein Schulbeginn bereits mit 5 Jahren birgt auch keine Garantie, dass es nicht zu einer Unterforderung kommt. Nachdem intelligente Kinder schneller und selbstständiger lernen als Gleichaltrige, wird der Punkt in jedem Fall während der Grundschulzeit erreicht, oftmals schon in den ersten Schultagen oder -wochen. Sehr oft wird man erst dadurch überhaupt auf eine mögliche Hochbegabung des Kindes aufmerksam.

Alle Kinder brauchen Aufgaben, an denen sie wachsen können!

Kinder brauchen um sich gesund entwickeln zu können Selbstwirksamkeitserfahrungen. Das heißt sie müssen einen Zusammenhang zwischen ihrem Bemühen und ihren Lernfortschritten bzw. ihrem Erfolg wahrnehmen können. Dafür brauchen sie Aufgaben, die geringfügig über ihrem Fähigkeitsniveau liegen. Schüler, die bereits mehr wissen und können als ihre Klassenkameraden, bekommen oft keine solchen Aufgaben und können daher nur schwer eine Leistungsmotivation entwickeln.

Deshalb ist die mangelnde Förderung hochbegabter Kinder an unseren Schulen, vor allem den Grundschulen, alles andere als ein Luxusproblem! Dauerhafte Unterforderung kann nicht nur Minderleistung (Underachievment) zur Folge haben, sondern auch zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Darüber schreibe ich ein andermal ausführlich.

Enttäuschung schon in den ersten Schulwochen

Heute soll es einmal um die typischen ersten Anzeichen der Unterforderung im ersten Schuljahr gehen und darum, was man dagegen tun kann. Diese Chatnachricht meiner Klientin Elvira (Name geändert) vom September 2021 ist eine von vielen, die mich zum Thema Unterforderung in der Grundschule erreichte:

“Mein Sohn Julian wurde vor zwei Wochen eingeschult. Er hat sich sehr darauf gefreut, aber schon am dritten Tag beklagte er sich, dass ihn der Babykram dort nicht interessiert. Schon die erste Hausaufgabe geriet zu einem Machtkampf. Was kann ich tun?”

Meine Antwort möchte ich an dieser Stelle natürlich ebenfalls mit dir teilen: ” Liebe Elvira, falls du schon länger beobachtest, dass dein Sohn sehr schnell lernt, sich für altersuntypische Themen interessiert und geistig auf vielen Gebieten weiter entwickelt ist als gleichaltrige Kinder, dann beschäftige dich einmal mit dem Thema Hochbegabung. Dazu schicke ich dir gern Infomaterial, Link- und Buchtipps und berate und begleite dich und dein Kind individuell.

Davon unabhängig kannst du sofort einiges tun, um die akute Unlust abzumildern. Zunächst einmal: In jedem Schulgesetz steht, dass Kinder entsprechend ihrer Begabung gefördert werden müssen. Das heißt, Lehrkräfte sind verpflichtet, zu differenzieren. Leider sind wir durch Defizite in der Lehrerausbildung, den verbreiteten Lehrermangel, Corona und andere Widrigkeiten weit von diesem Anspruch entfernt.

Dauerhafte Unterforderung ist nicht hinnehmbar!

Dauerhafte Unterforderung kann die Lernfreude und Motivation deines Kindes zerstören und im Extremfall sogar psychische Erkrankungen und psychosomatische Beschwerden zur Folge haben! Betroffene Kinder fallen häufig in der Klasse auf und werden am Ende ausgegrenzt und gemobbt. Du solltest deshalb für dein Kind angemessene Aufgaben einfordern, allerdings auch deinen Teil dazu beitragen.

Wenige Tage oder Wochen nach der Einschulung kannst du noch nicht erwarten, dass die Lehrkraft sich ein genaues Bild vom Leistungsstand, den Interessen und der Motivation eines jeden Kindes gemacht hat. Deshalb biete deine Unterstützung an.

Förderung im Familienalltag

Nimm deine Verantwortung für die Bildung deines Kindes wahr und schaffe zu Hause ein anregendes Lernumfeld. Beobachte, wofür Julian sich interessiert, greife seine Impulse auf und beantworte seine Fragen. Stelle ihm möglichst jeden Tag praktische Aufgaben, an denen er wachsen kann und zeige, dass du sein Bemühen wertschätzt.

Sucht Berührungspunkte zu dem, was Julian in der Schule lernen soll. Dabei entstehen ganz sicher Arbeitsproben, die er mit zur Schule nehmen und der Lehrerin zeigen kann. Du kannst einen Zettel dazulegen, wo du kurz beschreibst, wie die Arbeit entstanden ist. So erhält die Lehrerin mehr Einblick in das, was Julian schon kann, und wie sie ihn begeistern kann. Er kann auch seine Lieblingsbücher, Bastelarbeiten und andere Dinge in der Schule zeigen. Damit motivierst du gleichzeitig deinen Sohn und lenkst die Aufmerksamkeit der Lehrkraft auf seine Stärken.

Meine Tochter hat sich zum Beispiel allerlei Flugapparate ausgedacht, sie gezeichnet und beschrieben. Dann hat sie Protokoll über das Geschehen am Vogelhaus geführt und Steckbriefe von über 30 Vogelarten gezeichnet und geschrieben. Sie hatte eine wunderbare Klassenlehrerin, die solche Arbeiten von Kindern immer gewürdigt und im Klassenraum ausgestellt hat.

Differenzierung im Unterricht ist ein Muss!

Wenn eure Lehrerin erfahren ist im Umgang mit klugen Kindern, wird sie ähnlich reagieren, für diese Unterstützung deinerseits dankbar sein und Julian angemessene Aufgaben geben. Er könnte z.B. Sudoku spielen statt Zahlen in Reihen zu schreiben oder ein Geschichtenheft anlegen statt Wörter abzuschreiben. Oder er darf einmal vor der Klasse seine Lieblingsgeschichte vorlesen. Oder er bekommt schon Arbeitsblätter der 2. Klasse. Es gibt da sehr viele Möglichkeiten.

Meine Tochter betraf dieses Problem auch. Sie hatte das oben erwähnte Geschichtenheft. In Mathe durfte sie gleich in Klasse 2 einsteigen, brauchte aber nicht alle Aufgaben zu schaffen. Zusätzlich gab es Knobelaufgaben. In Sachkunde hat sie sogar mit Vorträgen ganze Unterrichtsstunden gestaltet! Dazu habe ich ihr Fotos zum Präsentieren, Anschauungs- und Bastelmaterial für alle mitgegeben.

Wenn dein Kind jenseits der Norm liegt, bist du immer als MaPa besonders gefragt, die Lehrkräfte zu unterstützen! Natürlich solltest du auch mit deinem Kind über seine besonderen Lernbedürfnisse sprechen, ihm erklären, dass diese völlig in Ordnung, aber nicht immer überall und sofort erfüllbar sind. Besonders begabte Kinder müssen auch lernen, mit Gleichaltrigen, die nicht so fix sind, respektvoll umzugehen. Dafür sollten wir als Eltern sie sensibilisieren.

Hausaufgaben sollten individuell gestellt werden!

Was die Hausaufgaben betrifft, empfehle ich dir, im Gespräch mit Julian die Aufgaben etwas abzuwandeln, so dass sie für ihn interessanter werden. Vielleicht könnt ihr sie schwieriger machen, als Spiel oder Wettbewerb gestalten oder mit seinen Hobbys verknüpfen. Meine Tochter sollte einmal dreistellige Zahlen aus einem Text in eine Tabelle abschreiben und hat das verweigert. Da kam sie selbst darauf, alle ihre Modellautos zu vermessen, zu wiegen und ihnen einen “Ausweis” zu verpassen.

Nicht alle Lehrkräfte tolerieren so viel Eigensinn, und manchmal sind die Hausaufgaben auch Grundlage zum Weiterarbeiten am nächsten Tag. Wenn du nicht sicher bist und die Möglichkeit hast, schreib die Lehrerin kurz über WhatsApp o.ä. an.

Lass auf keinen Fall zu, dass die Hausaufgaben eure Beziehung oder gar das ganze Familienleben belasten! Wesentlich mehr als 30 Minuten sollten sie in den ersten beiden Schuljahren auf keinen Fall beanspruchen! Wenn diese Zeit verstrichen ist und die Aufgaben nicht fertig sind, schreibst du einen Hinweis für die Lehrerin darunter.

Im Gespräch mit der Schule bleiben

Solltest du trotz aller Bemühungen nach 3-4 Wochen keine Veränderung bemerken, ist es Zeit, das Gespräch mit der Lehrkraft zu suchen. Mach dir im Vorfeld Notizen, damit du in der Aufregung nichts vergisst anzusprechen. Nimm am besten noch eine weitere Bezugsperson deines Kindes mit zum Gespräch. Ansonsten stehe ich dir für die Vorbereitung gern zur Verfügung und begleite dich auch zur Schule, wenn du das wünschst, bzw. ich kann mich über Zoom dazuschalten.

Falls sich danach nichts ändert, wende dich an die Schulleitung und notfalls als nächste Instanz an das Schulamt. Falls Julian in der Mehrzahl der Fächer unterfordert ist, könnte eventuell ein Sprung in Klasse 2 in Frage kommen. Es gibt auch die Möglichkeit, in einzelnen Fächern in eine höhere Klasse zu gehen (Drehtürmodell).

Berufe dich immer auf das Schulgesetz deines Bundeslandes und verweise auf deine bisherigen Bemühungen. Dazu solltest du dir am besten immer gleich alles notieren, was du tust, um Julian zu unterstützen, und wie die Reaktion darauf war. Lege dir dafür am besten ein Notizbuch an, in das du auch alle besonderen Vorkommnisse im Zusammenhang mit der Schule und deine Notizen zu Elterngesprächen schreibst.

Coaching und Beratung führen schneller zu einer Lösung!

So, liebe Elvira, ich denke, ich habe dir einige Anregungen gegeben. Du kannst dich gern zu einem persönlichen Gespräch bei mir melden, wenn du mehr Unterstützung und z.B. Materialempfehlungen möchtest, die speziell auf Julian zugeschnitten sind. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg und Julian viel Spaß in der Schule und beim Lernen!”

Findest du dich mit deinem Kind in einer ähnlichen Situation wieder und hast weitere Fragen? Gern berate und begleite ich euch persönlich, auch im Dialog mit der Schule. Das Kennenlerngespräch ist kostenlos, also schreib mir gleich eine Mail oder kontaktiere mich über WhatsApp, Facebook oder Instagram. In dringenden Fällen kannst du mich auch anrufen.