Das Erklärbär-Syndrom

Hast du ein hochbegabtes oder einfach nur pfiffiges und wissbegieriges Kind zu Hause? Dann kennst du das vielleicht auch. Dein Kind ist dir gefühlt ständig auf den Fersen, beobachtet, was du machst und hängt an deinen Lippen. Und das fängt schon im Babyalter an. Dieser forschende Blick fordert dich ständig auf, dem kleinen Entdecker Input zu geben.

Zum Glück kam das für mich als Mutter nicht gerade überraschend, denn ich war wohl selbst so ein Kind. Dadurch wusste ich auch sofort, was ich zu tun hatte, damit mich die ewige Fragerei nicht um meine Nerven brachte.

Mein Papa hatte nämlich eine Strategie entwickelt, die mir als kleinem Mädchen ausnehmend gut gefiel: Wo er auch hinging, egal ob er einem Kumpel auf dem Bau half, mit dem Motorroller einkaufen fuhr, den Garten umgrub, tapezierte oder ein Pferd beschlug – überall schleppte er mich mit hin. Unaufhörlich redete er ruhig vor sich hin und kommentierte, was er gerade machte. So wusste ich schon früh, wie man eine Sense schärft, konnte alle Pflanzen im Garten unterscheiden und meine Schuhe selber putzen. Mein Papa war mein wertvollster Lehrer, und ich bin dankbar, dass ich ihn immer noch habe.

So wusste ich gleich, wie ich meine kleine Svenka glücklich machen und dabei selbst entspannt bleiben konnte. Auch sie saugte das Wissen auf wie ein Schwamm. Bei uns verging kein Tag, ohne dass wir mehrere Bücher angeschaut bzw. vorgelesen haben. Aber noch wertvoller war das praktische Tun. Mit drei Jahren hat Svenka schon Kartoffeln für die Suppe kleingeschnitten und Plätzchen ausgestochen. In der Küche und im Garten hat sie ohne weiteres Zutun von mir sämtliche Grundschulmathematik gelernt.

Ich habe wie mein Papa immer ruhig vor mich hin geredet und kommentiert, was ich tue, manchmal auch erklärt, warum ich es so und nicht anders mache, sonst nichts.

Als Svenka 10 Jahre alt war, zogen wir zu ihrem Papa nach Berlin, und dort hatte sie endlich Freunde. Einmal war ein Mädchen zu Besuch, und wir kochten gemeinsam. Svenka holte kurz etwas, und ich redete mit dem fremden Kind genauso wie mit meinem eigenen. Da fragte das Mädchen: “Warum erklärst du mir das, bist du der Erklärbär?”

Erst da wurde mir wieder bewusst, dass Svenka und ich doch besondere Bedürfnisse hatten.

Stell dir vor, ich habe bis heute noch das Erklärbär-Syndrom, und ich erinnere mich, dass auch mein Papa es noch hatte, als ich längst erwachsen war. Svenka ist mittlerweile manchmal genervt von meinem Gelabere, aber Gewohnheiten können schon ziemlich hartnäckig sein.

Wie gehst du mit dem Wissensdurst deines Kindes um? Hast du genug Zeit und Muße, ihm den gewünschten Input zu geben? Wie beziehst du es in deinen Alltag ein? Falls das für dich herausfordernd ist, kontaktiere mich gern, und wir finden gemeinsam eine Lösung.