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MenschensBILDUNG
Karin & Svenka Kahl
99830 TREFFURT (D)

Bildung ist was sich bildet, während wir uns mit unseren Mitmenschen, unserer Umwelt und den Aufgaben, die uns das Leben stellt, auseinandersetzen. Bildung geschieht ununterbrochen. Wir treten also – zeitlebens! – mit allem, was uns umgibt, in Interaktion, bekommen Rückmeldung und speichern in diesem Prozess die von unserem Gehirn als bedeutsam erachteten Informationen und Erfahrungen ab, um sie später zur Bewältigung neuer Herausforderungen nutzen zu können.

Wer ist für die Bildung verantwortlich?

Nachdem Kinder weitgehend hilflos und abhängig zur Welt kommen, ist es naturgegeben, dass wir Erwachsenen auch zunächst die Verantwortung für die Bildung unserer Kinder übernehmen müssen. Wir sind verantwortlich dafür, in welcher Umgebung unsere Kinder aufwachsen und welche Erfahrungen sie machen können.

Auf der anderen Seite bringen Kinder jegliche Motivation und die Fähigkeit, sich zu bilden, schon ab Geburt mit. Es kommt darauf an, dass wir dieses Potenzial unserer Kinder sehen, darauf vertrauen, es beschützen, günstige Bedingungen schaffen und die Verantwortung nach und nach den Kindern übertragen.

Durch unsere Berufstätigkeit kommen die meisten Kinder schon frühzeitig in die Fremdbetreuung. Daran ist per se nichts falsch, denn es ist für Kinder von Vorteil, wenn sie auch Erfahrungen außerhalb der Familie und mit wechselnden Bezugspersonen machen können. Nicht umsonst sagt man “Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein Dorf”. Auch in traditionellen Gesellschaften werden schon Kleinkinder in einer Gemeinschaft betreut.

Was läuft falsch?

Was nicht förderlich ist für eine gelingende Bildung sind die strikte Sortierung nach Jahrgängen, die immer stärker werdende Normierung und die Reglementierung unserer Kinder. Viele Stunden des Tages verbringen sie sitzend in geschlossenen Räumen und sind gezwungen, sich ihr Weltwissen aus zweiter Hand in Form von Lehrervorträgen, Schulbüchern und Arbeitsblättern zu erschließen, statt mittendrin im Leben zu sein.

Kinder haben immer weniger Zeit und Raum zum freien Spiel und zum forschenden und entdeckenden Lernen, das jedem Baby angeboren ist. An dessen Stelle treten immer mehr von Erwachsenen angeleitete und strukturierte Aktivitäten. Spätestens im Lauf der Grundschule werden die meisten jungen Menschen zu lustlosen Pflichterfüllern, wie Gerald Hüther in einem Video auf YouTube sagt.

Der Erwerb des schulischen Lernstoffes bereitet immer mehr Kindern und Jugendlichen immer mehr Schwierigkeiten. Ihren Unmut und ihre Verzweiflung machen sie durch auffälliges Verhalten deutlich, in der Hoffnung, dass den Verantwortlichen endlich etwas auffällt.

Statt das System Schule von Grund auf neu zu erfinden und dabei von den Potenzialen unserer Kinder und den Erfordernissen für das Überleben der Spezies Mensch auf diesem Planeten auszugehen, machen wir schön weiter wie bisher und betreiben Augenwischerei.

Schule müsste von Grund auf neu erdacht werden!

Die Bildungsdebatte findet an Nebenschauplätzen wie G8 oder G9 oder der Einführung eines Unterrichtsfachs “Glück” statt, während heilige Kühe wie die sogenannte Schulpflicht nicht angetastet werden. Da ließe sich tatsächlich eine Veränderung bewirken, aber man sieht lieber weiter zu und schiebt den jungen Menschen, die sich nicht reibungslos in die starren Strukturen einfügen, die Verantwortung für das Versagen der Bildungspolitik zu, indem man sie mit Diagnosen wie ADHS, ASS, LRS oder Dyskalkulie zum Symptomträger eines kranken Schulsystem macht.

In den Schulgesetzen der Länder finden sich allerlei schöne Versprechungen, aber die Realität sieht anders aus. In einer Schule, die nach dem Vorbild von Kirche, Militär und Fließband erschaffen wurde, kann man keine Menschen heranbilden, die Werte wie Gemeinsinn, Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Ehrlichkeit, Vertrauen, Mut und Eigenverantwortung vertreten. Diese sind dringend nötig, um die Herausforderungen der menschlichen Gesellschaft zu lösen, vom Weltfrieden über den Klimawandel bis zu Pandemien und Hunger.

Trotzdem macht man schön weiter wie bisher und sortiert alles aus, was über oder unter dem Durchschnitt liegt. Denn es geht in der Schule leider nicht um Bildung, sondern um Unterwerfung. Sonst würde man nicht an all die verschiedenen Schüler dieselben Anforderungen stellen und sie entsprechend bewerten und sortieren.

Wie gelingt Bildung?

Gerald Hüther hat im Film “Kinder” von Reinhard Kahl formuliert, was Kinder brauchen, um sich gut bilden und entwickeln zu können:
1. eine Gemeinschaft, in der sie sich aufgehoben fühlen
2. Vorbilder, an denen sie sich orientieren können
3. Aufgaben, an denen sie wachsen können

Ergänzen möchte ich noch, dass Kinder auch Vertrauen brauchen, und dass Druck kontraproduktiv ist. Leider ist in der Pädagogik die Defizitbrille das gängigste Arbeitsmittel, und die Schwarze Pädagogik mit ihren Einschüchterungen und Bestrafungen hat noch lange nicht ausgedient. Die Tatsache, das Angst unser Großhirn blockiert und nachhaltiges Lernen verhindert, ist hinreichend bekannt, wird aber im Schulbetrieb geflissentlich ignoriert.

Bei einer immer größer werdenden Zahl von jungen Menschen werden diese Grundbedürfnisse in der Schule nicht mehr erfüllt. Ihr Potential verkümmert, sie leiden und werden oft mit Diagnosen und Medikamenten abgespeist. Lasst uns das nicht länger hinnehmen!

Bildung muss Vielfalt zulassen!

Wenn du ein Kind hast, das unter dem Schulsystem leidet, wenn du selbst schlimme Erfahrungen machen musstest, wenn du in der Schule arbeitest und dir deinen Beruf ganz anders vorgestellt hast, lass uns austauschen.

Lass uns vernetzen, Ideen und Meinungen austauschen, gemeinsam mehr Eigenverantwortung wagen und Settings schaffen, in denen Lernen eine Freude und ein Bedürfnis ist und in denen Bildung gelingt!