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Karin & Svenka Kahl
99830 TREFFURT (D)

Augenhöhe gegenüber jungen Menschen

10 Tipps für mehr Augenhöhe gegenüber jungen Menschen

Augenhöhe gegenüber jungen Menschen bringt Vorteile, die weit über den Kontext von Bildung und Erziehung hinaus gehen! Sie lässt Kinder die guten Menschen bleiben, als die sie geboren wurden.

Fehlende Augenhöhe ist die Ursache für vielfältige Probleme in unserer Gesellschaft. Mobbing, ungesunder Konkurrenzkampf, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, rücksichtslose Umweltzerstörung und sogar Kriege haben ihre Wurzeln in der Tatsache, dass manche Menschen ihre Macht über andere missbrauchen. Folglich streben die meisten Menschen nach mehr Macht, um den eigenen Selbstwert zu erhöhen. Die meisten von uns haben in der Kindheit gelernt, dass Gehorsam und Unterwerfung unter Autoritäten überlebenswichtig sind, und dass man immer bestrebt sein sollte, innerhalb der Gruppendynamik aufzusteigen.

Das Setting in den meisten sogenannten Bildungseinrichtungen für junge Menschen und auch in vielen Unternehmen und Institutionen basiert immer noch auf Hierarchien und Befehlsgewalt. Wir wissen längst, dass diese Arbeitsweise die Menschheit vor existenzielle Herausforderungen gestellt hat: Kriege, Pandemien, Klimawandel, Umweltzerstörung und Artensterben sind nur einige davon. Wie können wir erwarten, dass wir als Gesellschaft bzw. als Menschheit diese Probleme bewältigen können, wenn wir einfach so weitermachen?

Aber was sollen wir ändern?

Wenn wir die Welt retten wollen, müssen wir zuerst die Art und Weise verändern, wie wir mit unseren Kindern umgehen!

Was wäre, wenn wir Kinder von Anfang an als vollwertige Menschen betrachten würden, deren Bedürfnisse ebenso wichtig sind wie unsere? Wenn sie von uns lernten, sich selbst bedingungslos zu lieben und anzunehmen und die Bedürfnisse anderer Menschen sowie die Natur, deren Teil wir sind, genauso zu schätzen und zu beschützen?

Lass uns ein wenig träumen… Stell dir vor, alle Erwachsenen sähen in Kindern gleichwürdige Menschen, die in jeder Situation ihr Bestes geben und ein großes Entwicklungspotenzial in sich tragen. Stell dir vor, wir würden die Defizitbrille absetzen, die uns die jungen Menschen durch den Filter von Erwartungen sehen lässt, die nicht einmal unsere eigenen sind, sondern die wir von unseren Eltern, Lehrern oder anderen Autoritäten übernommen haben. Stell dir vor, wir bräuchten einfach nur einen sicheren Raum und eine anregende Umgebung schaffen, wo Kinder sich entfalten können. Wir könnten uns zurücknehmen, den Kindern mehr Eigenverantwortung zutrauen, aber trotzdem bereitstehen, wenn sie unsere Unterstützung brauchen.

Kinder, die um ihren eigenen Wert wissen, die verlässliche und authentische Vorbilder haben, die ihnen zutiefst menschliche Werte vorleben, haben es nicht nötig, andere abzuwerten, um sich selbst besser zu fühlen. Sie können mit ihrem Gewissen verbunden bleiben und lernen, zu einer lebenswerten Gesellschaft beizutragen und unseren Planeten zu schützen.

Warum ist Augenhöhe so wichtig?

Wenn Menschen Teil eines Systems werden, sei es als Eltern, Lehrer oder in anderen beruflichen Positionen, neigen sie dazu, sich hinter ihren Rollen zu verstecken. Diese Rollen definieren, was wir zu tun und zu lassen haben. Solange Erwachsene in diesen Rollen gefangen sind, büßen sie ihr Verantwortungsgefühl, ihr Gewissen und ihr Urteilsvermögen ein und verlieren sich stattdessen in den Erwartungen des jeweiligen Systems.

Kinder und Jugendliche, die die größte Zeit ihres Tages fremdbestimmt sind, spüren intuitiv und manchmal bewusst, dass ihnen diese Art und Weise des Aufwachsens schadet. Sie fordern falsche Autoritäten heraus, weil sie den Menschen hinter den Eltern, dem Lehrer, der Erzieherin, der Ärztin oder dem Therapeuten suchen. Dieses Verhalten sollten wir nicht als Problem, sondern vor allem als Geschenk betrachten. Die jungen Menschen zeigen damit, dass sie nach verlässlichen Beziehungen, Authentizität und Echtheit suchen. Sie laden uns ein, wieder in den Kontakt zu unserem inneren (Schul-) Kind zu gehen und es zu heilen.

Wenn wir es wagen, unsere Rolle zu überdenken, dann werden wir selbst reichhaltig belohnt. Denn Kinder möchten mit uns kooperieren, von uns lernen und an ihren Erfahrungen wachsen. Wenn sie nur Befehle ausführen und sich an Regeln halten dürfen, auf die sie selbst keinen Einfluss haben, lernen sie nicht, eigene Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Das kann zu einer Mentalität des “betreuten Denkens” führen. Die politische Landschaft in Deutschland und vielen anderen Staaten veranschaulicht eindrücklich die Folgen eines völlig überkommenen Erziehungsstils.

In vielen Absichtserklärungen lesen wir, dass junge Menschen zu wertvollen und verantwortungsbewussten Mitgliedern unserer Gesellschaft heranreifen sollen. Wie soll das aber funktionieren, wenn Erwachsene über ihre Köpfe hinweg entscheiden und von oben herab mit ihnen reden?

Durch Augenhöhe können alle Generationen gemeinsam wachsen!

Die Forderung nach einem respektvollen Umgang mit jungen Menschen ist keine Rebellion, sondern ein dringend notwendiger Aufruf zur Authentizität und zum gegenseitigen Verständnis. Es ist an der Zeit, die Mauern zwischen den Generationen abzubauen und eine Umgebung zu schaffen, in der junge Menschen sich gehört und verstanden fühlen. Indem wir unsere Rollen hinterfragen, können wir eine neue Art von Autorität etablieren – eine, die auf Respekt, Vertrauen, Kommunikation und Empathie basiert. Auf Augenhöhe zu sein bedeutet nicht, die Kontrolle zu verlieren, sondern gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, zu wachsen und voneinander zu lernen. Es ist eine Reise, die eine tiefere Verbindung zwischen den Generationen schafft und den Weg für eine harmonische und unterstützende Gesellschaft ebnet.

Wie gehen Kommunikation auf Augenhöhe und Empathie?

Auf Augenhöhe zu kommunizieren erfordert mehr als nur das Aufbrechen von Hierarchien. Es erfordert Empathie, Verständnis und die Fähigkeit, sich in die Perspektive der jungen Menschen zu versetzen. Der respektvolle Umgang bedeutet nicht, auf Autorität zu verzichten, sondern sie auf eine Weise auszuüben, die die Würde und Autonomie der jungen Menschen respektiert.

Nun geben wir dir noch einige Tipps, wie du für mehr Augenhöhe im Alltag von jungen Menschen sorgen kannst.

  1. Nimm dir Zeit für wichtige Gespräche und schaffe einen Rahmen, in dem sich das Kind wohl und sicher fühlt (du natürlich auch).
  2. Höre aktiv zu, ohne zu werten. Frage nach und zeige Interesse am Standpunkt des Kindes.
  3. Zeige dem Kind durch konkretes Feedback, dass du seine Anstrengungen siehst und wertschätzt. Sage z.B. “Die Augen auf deinem Bild strahlen vor Freude. Wie hast du das so gut hinbekommen?” statt einfach “So ein tolles Bild!”
  4. Fühle dich in den Entwicklungsstand des Kindes ein und sprich eine Sprache, die es verstehen kann. Ermutige es, Fragen zu stellen.
  5. Drücke dem Kind NIEMALS eine fertige Lösung auf, sondern lass es immer mitreden und möglichst zuerst eigene Ideen vortragen.
  6. Zeige, wie man sachlich bleibt und fair miteinander umgeht. Verwende ICH-Botschaften statt Schuldzuweisungen.
  7. Sprich offen und ehrlich über deine Gefühle, Bedürfnisse und Erwartungen.
  8. Gib Fehler zu und trau dich, das Kind um Verzeihung zu bitten. Zeige, dass du auch nicht immer alles weißt, sondern beständig lernst und an dir arbeitest.
  9. Unterlasse Drohungen à la “WENN du jetzt…, DANN…”! Lasse deinen Fokus bei der aktuellen Situation und behalte deine Ängste bei dir.
  10. Sorge dafür, dass jeder ohne Angst seine Bedürfnisse und Sicht auf die Dinge äußern darf. Trefft Entscheidungen gemeinsam im Familien- oder Klassenrat.

Wenn dein Umgang mit jungen Menschen noch nicht so ist wie in unseren 10 Tipps beschrieben, dann möchten wir dich ermutigen, sie einmal auszuprobieren. Du wirst staunen, wie sich dadurch auch deine eigene Lebensqualität verbessert und wie viele Stressfaktoren einfach verschwinden werden. Was kannst du sofort umsetzen?

Falls wir bei dir offene Türen eingerannt haben und du schon täglich die Vorteile von mehr Augenhöhe spürst, unterstütze uns bitte, dass dieser Beitrag mehr Menschen erreicht, denen er helfen könnte. Teile ihn in deinen sozialen Netzwerken oder schicke den Link in die Klassen-WhatsApp-Gruppe. Gib uns gern auch Feedback auf deinem Lieblings-Kanal. Was fehlt deiner Meinung nach noch in unserer Aufzählung?